wenn es mal 3 tage gut läuft.....

so manchmal hasse ich mein leben wirklich. es lief ein paar tage wirklich gut... keine großartigen streitereien in meiner 2mann-wg, behördlich wuppt alles, erkältung halbwegs überstanden.... das war mir ja schon unheimlich. und das zurecht, ich kenn ja meine karma-bitch. sie kann es einfach nicht sehen, wenn ich mal luftholen kann und nicht wieder alles über mir zusammenkracht. 3 monate nur das nötigste, dass meine 4beiner versorgt sind, genug sprit im tank, um zur arbeit zu kommen, leitungswasser, tütensuppen und ab und an kartoffeln.... so sieht mein leben momentan aus seit anfang des jahres, damit wir unsere mietrückstände wieder aufholen konnten, die aufgrund diverser, nennen wir sie mal vorfälle, entstanden sind. diesen monat wären wir durch gewesen und hätten langsam wieder licht gesehen. was passiert? das konto von meinem mitbewohner wird gesperrt, weil der vollhonk seinen unterhaltsverpflichtungen nicht nachgekommen ist. mein teil der miete geht jeden monat brav von meinem hartz direkt an den vermieter. und an alle, die jetzt "sozialschmarotzer" schreien.... nein ich hab mir das nicht ausgesucht. ich würd auch lieber arbeiten gehen und finanziell unabhängiger sein.... aber andere baustelle.... ich verstehe es einfach nicht, da geht mein mitbewohner jeden tag von 8 bis 16 uhr malochen. zugegeben, über eine zeitarbeitsfirma.... er ist gelernter cnc-fräser und müsste eigentlich einen gutbezahlten job haben.... aber nö, die za-firma schickt ihn zu irgendwelchen hilfsjobs, wo er mal thunfischkartons verlädt oder holzbalken lackiert..... für einen brutto-lohn von 10,61 Euro. berechnet werden ihm aber nur 25 std die woche laut vertrag. wo bleibt da die menschlichkeit??? arbeiten gehen, um den sprit bezahlen zu können, um zur arbeit zu kommen.... is mir zu hoch..... nu sitz ich hier und hab schon höllenpanik davor, wenn morgen mein vermieter nach der miete schreit. er wendet sich ja nicht an meinen meitbewohner, von dem nichts kommt, sondern mir wird das fell über die ohren gezogen, obwohl ich meinen obulus leiste. es macht wirklich keinen spaß mehr.....

19.3.15 21:48, kommentieren

Ein schöner Text

Ich denke, ich muß so zwölf Jahre alt gewesen sein, Und wieder einmal war es Zeugnistag. Nur diesmal, dacht‘ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein, Als meines weiß und häßlich vor mir lag. Dabei war‘n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt, Ich war ein fauler Hund und obendrein Höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt, So ein totaler Versager zu sein. So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir, jetzt ist alles aus, Nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, Sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, Schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl‘n! Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie, Dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal‘n! Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus, Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt. Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus, So stand ich da, allein, stumm und geknickt. Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück, Voll Selbstgerechtigkeit genoß er schon Die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat‘ne Stück, Diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn. Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an Und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, So gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran, Das ist tatsächlich meine Unterschrift.“ Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh‘n, Daß sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, laß uns geh‘n.“ Ich hab‘ noch manches langes Jahr auf Schulbänken verlor‘n Und lernte widerspruchslos vor mich hin Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn, Daß ich dabei nicht ganz verblödet bin! Nur eine Lektion hat sich in den Jahr‘n herausgesiebt, Die eine nur aus dem Haufen Ballast: Wie gut es tut, zu wissen, daß dir jemand Zuflucht gibt, Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast! Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, daß meine Eltern mich Da rausholten, und wo bleibt die Moral? Die Schlauen diskutier‘n, die Besserwisser streiten sich, Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt, Und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind, Wenn‘s brenzlig wird, wenn‘s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt, Eltern, die aus diesem Holze sind. - Reinhard Mey

17.3.15 11:57, kommentieren